Stephan Velten

STEPHAN VELTEN

1954 geboren in Potsdam, lebt und arbeitet in Potsdam

 

Stephan Velten schöpft aus einer Fülle von Wahrnehmungen und Erinnerungen, die sich in seiner zumeist großformatigen Malerei wieder finden.

Wie ein roter Faden durchzieht seine unterschiedlichen Werkphasen die Stellung des Individuums innerhalb der Zivilisation. Velten ist in erster Linie Maler und nicht Moralist. In der formalen Umsetzung verweist der Künstler auf zwei unterschiedliche Welten: die Bilder der Außenwelt in unserem Kopf und die, die wir nur vor unserem geistigen Auge sehen. Dabei verarbeitet er seine täglichen Erfahrungen und bietet überraschende Unterbrechungen in Gestalt absurder Bildverknüpfungen oder Traumsequenzen an. Riesige Teller, Löffel oder Federn, die das Bild übersäen, erlangen in der hungry-Serie symbolischen Charakter. In dieser Reihe , die in den letzten zwei Jahren entstanden ist, gibt es ein Grundmotiv, das in unterschiedlichen Variationen auf den einzelnen hungry-Bildern wiederkehrt: riesige, gestrandete Bootskörper an Leiber erinnernd, davor eine Gruppe schemenhaft dargestellter Menschen, dicht aneinander gedrängt – Einheit verheißend, oder doch eher sich einig seiend: „Hunger nach mehr. Nach Macht, Einfluss oder frischem Fleisch. Innere Kräfte halten sie bei der Stange. Und es geht um eine elementare Szenerie. Das Ende vom Festland, der Beginn des Meeres oder umgekehrt…“ (Stephan Velten, Gespräch mit Andy Kern, 2004). Sprache bringt eine neue Ebene in das Bild. Das Wort hungry, es erinnert an die Schablonenschrift auf den Containern der Warenumschlagsplätze oder an Aufdrucke von Carepaketen, ist gemalt, nicht geschrieben. Über die assoziative Bedeutung des Begriffs hinaus wird es dadurch zur eigenständigen malerische Komponente innerhalb des Bildgefüges.

 

aus: SPANNUNGSMOMENTE KÜNSTLERISCHE POSITIONEN IM LAND BRANDENBURG Ausstellung in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund BERLIN 2004

Text: Annette Purfürst